Einwilligung bei Fotos im Kindergarten: Was Kitas beachten müssen

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Felix Leicht

ist Rechtsanwalt und zertifizierter Datenschutzbeauftragter (TÜV) mit Schwerpunkt auf Datenschutz und IT-Sicherheit in Kitas. Er berät Kita-Träger zur DSGVO-Konformität und entwickelt praxistaugliche Vorlagen für Einrichtungen.
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Wie ist der Datenschutz bei Fotos im Kindergarten geregelt? Diese Frage beschäftigt viele Kitas, denn mit Bildern von Kindern werden besonders sensible Daten verarbeitet. Eine rechtssichere Einwilligung der Eltern ist nach DSGVO unverzichtbar – und schützt nicht nur die Rechte der Kinder, sondern auch die Einrichtung selbst.

Praxisrelevanz für Kitas

Wann brauchen Kitas eine Einwilligung für Kinderfotos?

Ob beim Sommerfest, beim Spielen im Gruppenraum oder in der Projektarbeit: In Kitas entstehen regelmäßig Fotos von Kindern. Diese Bilder sollen oft für interne Dokumentation, Portfolio-Arbeit oder Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden. Häufiges Missverständnis: Dass eine einmalige Zustimmung der Eltern für alle Zwecke genügt. Doch genau hier setzt der datenschutzrechtliche Rahmen klare Grenzen – und fordert differenzierte Einwilligungen für unterschiedliche Zwecke.

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Rechtlicher Rahmen

Fotos von Kindern als personenbezogene Daten nach DSGVO

Die DSGVO schützt alle personenbezogenen Daten – und Fotos gehören dazu, wenn Kinder darauf identifizierbar sind. Wer solche Bilder verarbeitet oder veröffentlicht, braucht dafür eine rechtliche Grundlage. In der Kita-Praxis ist das fast immer die freiwillige Einwilligung der Eltern.

Was bedeutet Freiwilligkeit bei der Einwilligung?

Eltern dürfen zu nichts gedrängt werden. Eine Kita darf z. B. nicht den Eindruck erwecken, dass das Portfolio oder die Aufnahme in eine Gruppe von einer Einwilligung abhängt. Wichtig: In der Erklärung muss ausdrücklich stehen, dass die Zustimmung freiwillig ist – ohne Nachteile bei Verweigerung.

Informierte Einwilligung: Was müssen Eltern wissen?

Die DSGVO verlangt Transparenz. Eltern müssen u. a. erfahren:

  • Wer ist verantwortlich? (z. B. Träger, Leitung)

  • Welche Daten werden verarbeitet? (z. B. Fotos, Namen)

  • Wofür genau? (Dokumentation, Website, Flyer…)

  • Welche Risiken bestehen? (v. a. bei Internetveröffentlichung)

  • Wie kann die Einwilligung widerrufen werden?

Klare Zustimmung durch aktive Handlung

Eine gültige Einwilligung braucht eine aktive Zustimmung – z. B. durch das Ankreuzen von Kästchen. Vorgekreuzte Felder oder versteckte Passagen sind unzulässig.

Unterschiedliche Zwecke – differenzierte Einwilligungen

Eltern müssen für verschiedene Nutzungen gesondert zustimmen können, z. B.:

  • Foto im Gruppenraum

  • Abdruck im Jahresbericht

  • Veröffentlichung auf der Kita-Webseite
    Nur so ist die Einwilligung „spezifisch“ und damit wirksam.

Externe Dienstleister: Transparenz ist Pflicht

Eltern können ihre Zustimmung jederzeit widerrufen. Die Erklärung muss klar sagen, wie das geht (z. B. per E-Mail) und dass der Widerruf keine negativen Folgen hat. Wichtig: Ein Widerruf gilt nur für die Zukunft.

Widerruf: Jederzeit und ohne Nachteile

Fotografen, Druckereien oder App-Anbieter zählen zu externen Dienstleistern. Die Kita muss offenlegen, wenn solche Dritte Zugang zu den Bildern erhalten – und wie lange sie diese speichern.

Nachweisbarkeit: Jede Zustimmung muss dokumentiert sein

Die Kita muss belegen können, dass eine gültige Einwilligung vorliegt – z. B. durch ein unterschriebenes Formular oder eine digitale Zustimmung.

Internetveröffentlichung: Besondere Risiken

Bilder im Internet sind weltweit abrufbar – und kaum zu löschen. Kitas müssen Eltern über dieses Risiko aufklären. Besonders wichtig: Beide Sorgeberechtigten sollten zustimmen.

Formales: Unterschrift, Datum, vollständige Angaben

Ein vollständiges Einwilligungsformular enthält:

  • Name des Kindes

  • Gruppe

  • Ort, Datum

  • Unterschriften aller Sorgeberechtigten

Best Practice Beispiel

Umgang mit Fotoverbot beim Sommerfest

Ausgangslage

Eine Kita plant ein Sommerfest mit Eltern, Kindern und Team. Geplant ist auch eine Fotodokumentation für die Webseite und den Jahresbericht. Einige Eltern lehnen die Veröffentlichung von Bildern ihres Kindes ab.

Lösung

Die Kita markiert Kinder ohne Einwilligung deutlich sichtbar mit einem kleinen Armband (farblich dezent, für Kinder leicht verständlich). Die Fotografin wird vorab gebrieft, nur Kinder ohne Armband zu fotografieren. Gruppenfotos werden so organisiert, dass nicht-einverstandene Kinder nicht mit im Bild sind. Beim Aushang im Flur informiert ein Hinweis: „Fotos entstehen nur mit vorheriger Zustimmung – wir respektieren jedes Nein.“

Ergebnis

Die Kita kann weiterhin wertvolle Momente dokumentieren, ohne gegen Datenschutzrechte zu verstoßen. Eltern fühlen sich ernst genommen und sicher.

Was ist zu tun?

Praxis-Check: So holen Sie rechtssichere Einwilligungen in Ihrer Kita ein

  1. Verwenden Sie ein klares, gut strukturiertes Formular.

  2. Formulieren Sie alle Zwecke getrennt (z. B. Website, Druck, Gruppenraum).

  3. Informieren Sie die Eltern schriftlich über Risiken – besonders bei Online-Veröffentlichungen.

  4. Machen Sie deutlich, dass die Zustimmung freiwillig ist.

  5. Fügen Sie klare Hinweise zum Widerruf hinzu (inkl. Kontaktweg).

  6. Vermeiden Sie vorangekreuzte Felder – Zustimmung muss aktiv erfolgen.

  7. Dokumentieren Sie alle Einwilligungen sicher (Papier oder digital).

  8. Holen Sie bei gemeinsamer elterlicher Sorge von beiden Elternteilen die Unterschrift ein.

Fazit

Eine datenschutzkonforme Foto-Einwilligung schützt Kinder und Kitas. Sie muss freiwillig, informiert, spezifisch und dokumentiert sein. Mit einem durchdachten Vorgehen lassen sich Risiken minimieren – und das Vertrauen der Eltern stärken.

Praxistipp

Einwilligungen digital einholen – so geht’s

Viele Träger arbeiten inzwischen mit Elternportalen oder Kita-Apps. Einwilligungen lassen sich dort DSGVO-konform digital einholen – wenn folgende Punkte beachtet werden:

  • Die Zustimmung erfolgt durch aktive Handlung (z. B. Klick auf „Zustimmen“)

  • Die Eltern sehen vorab den vollständigen Wortlaut der Einwilligung

  • Die Zustimmung wird nachvollziehbar gespeichert (Zeitstempel, Nutzer-ID)

  • Es gibt eine Möglichkeit zum Widerruf, ebenfalls digital

Vorteil: Kein Papierchaos, klare Nachweisbarkeit und schnelle Aktualisierung bei Änderungen.

FAQ – Datenschutz & Fotos in der Kita

Brauchen wir für jedes Foto eine neue Einwilligung?

Nicht unbedingt. Entscheidend ist der Verwendungszweck. Für neue Zwecke (z. B. Website statt Portfolio) braucht es eine neue Zustimmung.

Ja, bei gemeinsamer Sorge ist die Zustimmung beider Sorgeberechtigten erforderlich.

Dann dürfen die entsprechenden Fotos ab dem Zeitpunkt des Widerrufs nicht mehr verwendet werden. Bereits veröffentlichte Bilder im Internet lassen sich oft nicht vollständig entfernen – das muss vorher kommuniziert werden.

Für rein interne Zwecke (z. B. Portfolioarbeit, Entwicklungsdokumentation) kann unter Umständen auch eine andere Rechtsgrundlage in Betracht kommen – z. B. berechtigtes Interesse. Eine Einwilligung schafft aber immer mehr Rechtssicherheit.

Nur solange der Zweck gilt und keine Einwilligung widerrufen wurde. Eine generelle Speicherfrist sollte im Datenschutzkonzept geregelt sein.

Vertiefung für Leitungskräfte: FAQ zu Einwilligung & Fotoverwendung

Empfehlenswert ist eine jährliche Abfrage – z. B. zum Kita-Jahresbeginn. So bleiben Einwilligungen aktuell und neue Nutzungsideen (z. B. Social Media) können direkt abgefragt werden.

Nein. Die DSGVO verlangt eine schriftliche Einwilligung mit klar dokumentierter Zustimmung.

Besser nicht. Die DSGVO fordert Freiwilligkeit – eine Kombination kann den Eindruck erwecken, die Zustimmung sei Bedingung für den Betreuungsplatz.

Solange keine übereinstimmende Zustimmung beider Sorgeberechtigten vorliegt, gilt: Keine Verarbeitung bzw. Veröffentlichung.

Ja – aber nur, wenn das jeweilige Kind identifizierbar ist. Auch in Gruppenbildern muss bei identifizierbaren Kindern eine Zustimmung vorliegen.

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